Berufsbildungsseminar e.V. Landau

Inspiration und Information für Erzieherinnen und Erzieher.

Berufsrolle & Persönlichkeitsentwicklung

Stress- und Stressbewältigung am Arbeitsplatz Kita

Stress- und Stressbewältigung am Arbeitsplatz Kita

Foto: istockphoto, Tirachard

Im Hamsterrad zwischen Einsatzbereitschaft und Belastungsgrenze

Marina Herbst ist heute Morgen eigentlich recht positiv in den Tag gestartet. In den letzten Wochen hatte sie festgestellt, dass sie sich zunehmend gestresst und gehetzt fühlt, abends nicht mehr recht zur Ruhe kommt und in ihrer Freizeit häufig gereizt und schlecht gelaunt ist. Daher hatte sich Marina fest vorgenommen, ab sofort morgens ganz in Ruhe mit einem Kaffee und einem gesunden Frühstück in den Tag zu starten, bevor sie sich auf den Weg in die Kita macht, um die dort anstehenden Aufgaben ruhig und gelassen erledigen zu können.

Leider liegt die Betonung hierbei auf dem Wort „eigentlich“: Als Marina in die Kita kommt, wird sie schon von der Kita-Leitung mit den Worten begrüßt, dass sich zwei Kolleginnen krankgemeldet haben und sie sich nun kurzfristig um Springkräfte kümmern muss. Die für heute angesetzte Arbeitsbesprechung, in der sie gemeinsam konkrete Überlegungen anstellen wollten, wie man die Aufnahme der ukrainischen Flüchtlingskinder und ihre Integration in die Gruppen personell und sprachlich bewältigen kann, muss daher erneut ausfallen.

Dieses Thema lastet schon sehr lange auf Marina, weiß sie doch um die besonderen Herausforderungen, die auf sie als Betreuungskräfte in der Kita zukommen. Sie hat sich schon sehr viele Gedanken gemacht, wie man den Flüchtlingskindern helfen könnte, haben diese doch schließlich einen weiten Weg hinter sich, ihr Zuhause und ihr gewohntes Umfeld verloren, vielleicht sogar traumatische Erlebnisse auf der Flucht gehabt und werden nun mit einer neuen Sprache und einem veränderten Tagesablauf konfrontiert. Doch nicht nur einmal hatte Marina das Gefühl, mit dieser anstehenden Aufgabe überfordert zu sein, weil es an der notwendigen Unterstützung fehlt und ihr eigener Wunsch, den Kindern die Eingewöhnung in die Kita zu erleichtern, unerfüllbar zu sein scheint. Ihr Plan, morgens ganz entspannt in den Tag zu starten, um für die anstehenden Aufgaben gewappnet zu sein, scheint nicht funktioniert zu haben, Marinas mühsam erarbeitete positive Stimmung verfliegt…

Berufliche Belastungen in Kitas – ein Thema, das immer mehr an Aktualität gewinnt

Marinas Beispiel ist kein Einzelfall, sind doch die Ansprüche an pädagogische Fachkräfte in Kitas in den letzten Jahren deutlich gestiegen. Oft ist es ein Drahtseilakt, sowohl den Bedürfnissen der Kinder als auch den komplexen Anforderungen seitens der Eltern, der Einrichtung als Arbeitgeber und den eigenen Ansprüchen gerecht zu werden, ohne dabei über die eigenen Grenzen hinauszugehen und auszubrennen.

Herausfordernde Rahmenbedingungen wie zu große Gruppengrößen, eine hohe Personalfluktuation sowie die allgemeine Personalknappheit, die Umsetzung von Bildungsplänen, die zunehmende Anzahl an Kindern mit Entwicklungs- und Verhaltensauffälligkeiten, die es zu betreuen und zu fördern gilt, stellen hohe körperliche und emotionale Anforderungen in der täglichen Arbeit dar, die jeden Tag aufs Neue bewältigt werden müssen. Viele Kita-Mitarbeitende hatten zudem noch keine Möglichkeit, sich von den extremen Belastungen durch die Corona-Pandemie zu erholen. Und schon steht die nächste Krise vor der Tür: Das Kriegsgeschehen in der Ukraine belastet nicht nur privat mit all seinen mentalen und finanziellen Auswirkungen, sondern beeinflusst unmittelbar auch die berufliche Arbeit und stellt die pädagogischen Fachkräfte erneut vor zusätzliche Herausforderungen.

Doch was tun, wenn sich eine Krise an die andere reiht und man kaum zum Durchatmen kommt?

Stressmanagement für pädagogische Fachkräfte

Damit die anhaltende, physisch und psychisch fordernde tägliche Arbeit und die damit einhergehende Verantwortung nicht zu chronischer Erschöpfung führt, ist es wichtig, die eigene körperliche und mentale Gesundheit im Blick zu behalten und seine persönliche Widerstandskraft zu stärken, um herausfordernde Situationen mithilfe der eigenen Ressourcen erfolgreich zu meistern.

Viele pädagogische Fachkräfte üben ihren Beruf aus Leidenschaft aus, bringen ein hohes Maß an Engagement und Einsatzbereitschaft mit, gehen oft über eigene Grenzen, um für andere da zu sein - all dies können, neben den vielen Stressoren, die der Arbeitsplatz Kita mit sich bringt, persönliche Stressverstärker sein. Darüber hinaus reagiert jeder Mensch unterschiedlich auf Stress: Was den einen motiviert und anspornt, kann den anderen überfordern und ausbrennen lassen. Daher ist es wichtig, individuell passende und geeignete Bewältigungsstrategien zu finden, um stressigen und herausfordernden Situationen und Begebenheiten gelassen entgegenzutreten.

Hierfür braucht es etwas Zeit und Ruhe nur für sich selbst, um einen Blick in sein Inneres zu wagen und die persönlichen Stressoren, aber auch die eigenen Ressourcen aufzuspüren.

Eigene Ressourcen aufspüren!

Folgende Reflexionsfragen können dabei helfen, eigene Ressourcen aufzuspüren:

  • Komme ich morgens gern in die Kita? Wenn nein oder nur eingeschränkt: Was genau gefällt mir weniger? Was davon kann ich beeinflussen? Und was davon müsste ich akzeptieren, weil ich es nicht ändern kann, um mich mit der Situation arrangieren?
  • Was gefällt mir an meiner Arbeit? Warum habe ich diesen Beruf gewählt? Welche Aspekte meiner Arbeit geben mir Kraft und schenken mir Zufriedenheit?
  • Welche beruflichen Situationen belasten mich? Was kann ich ggf. daran ändern? Kann ich um Unterstützung bitten? Benötige ich zusätzliches Wissen, um diese Anforderungen bewältigen zu können?
  • Welchen Tätigkeiten gehe ich in meiner Freizeit gern nach, die meine Energietanks auffüllen, die mir Freude bereiten und mich zufrieden machen? Habe ich Hobbies in der letzten Zeit aufgegeben? Wenn ja: warum? Und wäre es nicht eine Möglichkeit, diese Hobbies ggf. wieder aufzunehmen, um für mich einen Ausgleich zu schaffen?

Entspannte Betreuungskräfte – entspannte Kinder?

Auch Marina hat den innigen Wunsch nach Gelassenheit im (Berufs-)Alltag und nach kleinen Pausen, in denen sie sich kurz erholen und ihre Energiereserven auffüllen kann. Doch häufig fehlen Zeit, Kraft und Ressourcen, immerzu scheinen andere Dinge wichtiger und drängender zu sein. Doch dabei wird häufig unterschätzt, dass sich innere Gelassenheit und Ruhe auch auf andere übertragen kann – ob nun von Groß auf Klein oder andersherum. Vielleicht nutzen Sie Momente in ihrer Kita-Gruppe, die sie als besonders kräftezehrend empfinden, z.B. eine sehr lärmende Situation, um den Kindern und Ihnen selbst zu einer kleinen Auszeit zu verhelfen, indem sie kindgerechte und altersangemessene Übungen zur Entspannung mit den Kindern einbauen? Hierfür gibt es inzwischen eine Vielzahl an Materialien, z.B. Bildkarten zur Entspannung und Körperwahrnehmung für Kinder im Kita-Alter, mit deren Hilfe Sie Übungen auch ohne Vorkenntnisse anleiten können und die Kinder sanft zur Ruhe kommen lassen. Dadurch bekommen nicht nur Sie als Betreuungskraft eine kurze (Lärm-)Pause vom hektischen Gruppengeschehen, sondern auch die Kinder können einen Moment zur Ruhe kommen.

„Nicht, WAS wir erleben, sondern WIE wir empfinden, was wir erleben, macht unser Schicksal aus.“

Marie von Ebner-Eschenbach

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Stressmanagement für pädagogische Fachkräfte

Welchen Stressoren sind pädagogische Fachkräfte besonders ausgesetzt? Wie kann es gelingen, sich diese bewusst zu machen und geeignete Strategien im Umgang mit Stress zu entwickeln?

Sie lernen Sie Techniken und Methoden aus den Bereichen Selbstfürsorge, Achtsamkeit, Bewegung, Entspannung und Selbstreflektion kennen, die dabei helfen, im Gleichgewicht zu bleiben und auch in stressigen Situationen einen kühlen Kopf zu bewahren.

Inhalte:

  • Was ist Stress und wie zeigt sich dieser auf der körperlichen und der psychischen Ebene?
  • Was sind meine persönlichen Stressoren?
  • Wie kann Stressbewältigung gelingen und welche Ressourcen bringe ich mit?
  • Was kann ich an Stressbewältigungstechniken dazulernen und anwenden?
  • Wie gelingt Stressprävention auf persönlicher und struktureller Ebene?
  • Was kann ich selbst tun, um für mich einen präventiven Ausgleich zu schaffen?

Seminarzeiten:

Das Seminar besteht aus 4 Terminen:

  • 02.02.2023 - 17:30 - 20:30 Uhr
  • 09.02.2023 - 17:30 - 20:30 Uhr
  • 16.02.2023 - 17:30 - 20:30 Uhr
  • 23.02.2023 - 17:30 - 20:30 Uhr

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