Berufsbildungsseminar e.V. Landau

Inspiration und Information für Erzieherinnen und Erzieher.

Sprache & Kommunikation

Mehrsprachigkeit in der Kita

Mehrsprachigkeit in der Kita

Foto: Adobe Stock @ Africa Studio

Anaokulunda çok dillilik

In einer kleinen Kita in Berlin herrscht geschäftiges Treiben. Kinder verschiedenster Herkunft spielen und lachen miteinander. Die fünfjährige Leyla, deren Eltern aus der Türkei stammen, spielt "Einkaufen" mit Jonas, dessen Familie aus Deutschland kommt. Leyla zählt das Spielgeld auf Türkisch.  "Beş lira, bitte!" ruft sie und ihre dunklen Augen funkeln vor Freude. Jonas entgegnet mit einem breiten Grinsen: "Hier hast du fünf Euro!" Die Erzieherin, Frau Schmidt, lächelt zufrieden, als sie sieht, wie die Kinder trotz unterschiedlicher Sprachen miteinander interagieren.

Diese Szene ist ein lebendiges Beispiel dafür, wie Mehrsprachigkeit in der Kita nicht nur das Miteinander bereichert, sondern auch Brücken zwischen verschiedenen Kulturen baut. In unserer Welt, die immer mehr zusammenwächst, ist Mehrsprachigkeit ein Geschenk. Kinder wie Leyla und Jonas erlernen nicht nur Wörter in verschiedenen Sprachen, sondern öffnen auch ihr Herz für unterschiedliche Kulturen.

Doch wie können wir diese wunderbare Vielfalt im Kita-Alltag noch stärker fördern und nutzen?

Förderung mehrsprachiger Kinder

In unserer globalisierten Welt ist Mehrsprachigkeit eine wertvolle Ressource. Kinder, die mehr als eine Sprache sprechen, haben nicht nur einen kommunikativen Vorteil, sondern entwickeln auch ein tieferes Verständnis für verschiedene Kulturen und Perspektiven.

Obwohl die Forschung aufzeigt, dass Kinder spielend leicht mehrere Sprachen gleichzeitig erwerben können, wird Mehrsprachigkeit häufig nicht als Chance, sondern als Risikofaktor angesehen. Und tatsächlich zeigt sich eine Bildungsbenachteiligung, wenn Migrationshintergrund und ein niedriger sozioökonomischer Status zusammenkommen.

Es ist grundsätzlich positiv zu werten, dass Bemühungen vorhanden sind, mehrsprachige Kinder zu unterstützen, um ihnen die gleichen Bildungschancen zu ermöglichen.

Praxistipp

5 Schritte zur mehrsprachigkeitsoffenen Kita

 

Wir wollen die Kita als einen Ort gestalten, wo Mehrsprachigkeit als Ressource betrachtet wird, wo Kinder alle ihre Sprachen entwickeln und kulturellen Identitäten entfalten können. Wie gelingt uns das? Mit diesen 5 konkreten Schritten kommen wir unserem Ziel der mehrsprachigkeitsoffenen Kita immer näher:

  1. Wertschätzung aller Sprachen: Der erste Schritt zur Förderung von Mehrsprachigkeit in der Kita ist die Wertschätzung jeder einzelnen Sprache. Jede Sprache ist ein Fenster zu einer neuen Welt und sollte als solches anerkannt werden.
  2. Einbindung der Muttersprache: Kinder sollten ermutigt werden, ihre Muttersprache in der Kita zu verwenden. Dies stärkt nicht nur ihre sprachlichen Fähigkeiten, sondern auch ihr Selbstbewusstsein und ihre kulturelle Identität.

  3. Mehrsprachige Aktivitäten: Integrieren Sie mehrsprachige Spiele, Geschichten und Lieder in den Kita-Alltag. Dies fördert das spielerische Erlernen neuer Sprachen und zeigt den Kindern, dass Sprachenvielfalt Spaß macht.

  4. Zusammenarbeit mit Eltern: Binden Sie die Eltern in den mehrsprachigen Kita-Alltag ein. Mehrsprachige Vorlesenachmittage oder Informationsmaterialien in verschiedenen Sprachen helfen, sprachliche Barrieren zu überwinden und eine inklusive Gemeinschaft zu schaffen.

  5. Alltagsintegrierte Sprachbildung: Gemeinsame Dialoge, handlungsbegleitendes Sprechen und Modellierung kindlicher Äußerungen - für mehrsprachige Kinder ist ein sprachförderliches Handeln essentiell. Das „Dialogische Lesen“, bei dem Kinder und Erzieher*innen die Geschichte gemeinsam erzählen, hat sich dabei als besonders effektive Methode erwiesen.

Viele Bemühungen, mehrsprachige Kinder zu unterstützen, greifen zu kurz

Meist werden für mehrsprachige Kinder spezielle zusätzliche Förderprogramme angeboten, die eine Verbesserung der Deutschkenntnisse anstreben. Um an diesen meist formalen Lernprogrammen teilzunehmen, werden die Kinder aus der bestehenden Gruppe herausgenommen. Für diese zeitlich begrenzten Sprachförderprogramme liegen keine ausreichenden Evidenzen vor – im Gegenteil: Es gibt sogar negative Auswirkungen für die Entwicklung aller Sprachen der mehrsprachigen Kinder und ihre kulturelle Identität.

Aber wie können mehrsprachige Kinder in der Kita dann unterstützt werden, damit mehr Bildungsgerechtigkeit besteht?

Der Schlüssel liegt in der Gestaltung einer mehrsprachigkeitsoffenen Kita. Doch was bedeutet das?

  • Mehrsprachigkeit ist im Kita-Alltag sichtbar und erlebbar
  • Interaktionen zwischen Kindern und Erzieher*innen und zwischen den Kindern untereinander werden gefördert – egal in welcher Sprache.
  • Alltagsintegriertes sprachförderliches Verhalten und Handeln ist beständiger Teil der alltäglichen Kommunikation.

Praxistipp konkret

Einige sehr konkrete Beispiele aus dem Kita-Alltag:

  • Mehrsprachige Liederstunde: Jeden Montagmorgen beginnt die Kita mit einer mehrsprachigen Liederstunde. Von "Frère Jacques" bis "Head, Shoulders, Knees and Toes" in verschiedenen Sprachen ist alles dabei.
  • Digitale Medien nutzen: Gemeinsam schauen die Kinder in der Leseecke das digitale Bilderbuch „Der kleine Pirat“ an. Heute darf Alessandro das Buch auf Italienisch erzählen und seine Erzählung mit dem Sprachaufnahmeknopf aufnehmen. Alle sind schon gespannt, wie sich das Ergebnis anhören wird.
  • Bibliothek der Sprachvielfalt: Zusätzlich zu deutschsprachigen Büchern gibt es ein ganzes Regal mit Büchern aus aller Welt. Aaron hat heute ein arabisches Buch ausgesucht. Die Kinder staunen über die schön geschwungenen arabischen Buchstaben und stellen fest, dass sich Sprachen nicht nur unterschiedlich anhören, sondern manchmal auch ganz anders geschrieben werden.
  • Mehrsprachige Elternnachmittage: Regelmäßig werden Eltern und Großeltern eingeladen, in der Kita aus einem Kinderbuch in ihrer Muttersprache vorzulesen oder ein traditionelles Spiel ihrer Kultur vorzustellen. Heute ist Ferdas Mutter da und liest ein türkisches Märchen vor. Danach wird das Märchen anhand der Bilder auf Deutsch nacherzählt.
  • Lila, die Sprachkünstlerin: Im Stuhlkreis ist regelmäßig die Handpuppe „Lila“ dabei. Lila ist Sprachkünstlerin. Sie sammelt Wörter aus der ganzen Welt und ist neugierig, was sie von den Kindern alles lernen kann. Manchmal mischt sie Sprachen kreativ und erfindet neue Wörter, um die Kinder zu einem spielerischen Umgang mit Sprache(n) anzuregen. Heute legt Lila das türkische Wort „kedi“ in ihre Sprachschatzkiste. Ahmed hat nämlich erzählt, dass er und seine Schwester ein kleines Kätzchen bekommen haben. Gemeinsam mit den Kindern entdeckt Lila, dass die Wörter „kedi“, „Katze“ und auch „cat“ mit dem gleichen Laut beginnen.

Mehrsprachigkeitsoffene Kitas - ein Schatz für die Zukunft

Die Umsetzung einer mehrsprachigkeitsoffenen Kita ist ein wertvoller Schritt in Richtung einer integrativen und vielfältigen Bildungsumgebung. Indem wir die Vielfalt der Sprachen und Kulturen feiern und aktiv in den Kita-Alltag integrieren, bieten wir unseren Kindern nicht nur eine umfassendere Bildung, sondern bereiten sie auch auf ein Leben in einer zunehmend vernetzten Welt vor. In einer solchen Umgebung können Kinder ihre sprachlichen und kulturellen Fähigkeiten frei entfalten, wodurch sie zu aufgeschlossenen und respektvollen Mitgliedern einer vielsprachigen Gesellschaft heranwachsen.

Kurz gesagt, eine mehrsprachigkeitsoffene Kita ist mehr als ein Ort des Lernens – es ist ein Raum, in dem junge Menschen lernen, die Welt in all ihrer sprachlichen und kulturellen Vielfalt wertzuschätzen und darin zu wirken.

Wie wird dem Thema „Mehrsprachigkeit“ in Ihrer Kita begegnet? Wie können Sie dazu beitragen, Mehrsprachigkeit zu fördern, damit sie zu einem festen Bestandteil des Kita-Alltags wird? Welche Schritte könnten Sie unternehmen, um die Welt der Kinder sprachlich und kulturell zu bereichern?

Wir sind begeistert von dem Gedanken mehrsprachiges Aufwachsen zu unterstützen und schließen mit den weisen Worten von Karl der Große:

„Eine andere Sprache zu können, ist wie eine zweite Seele zu besitzen“  

Online-Live-Seminar

Von Sprachbarrieren zu Sprachbrücken
Mehrsprachige Kinder in der Kita begleiten

Nach diesem Online-Seminar sind Sie mit Anregungen für die Unterstützung mehrsprachiger Kinder ausgestattet, die Sie unmittelbar in die Praxis umsetzen können.

Inhalte:

  • Sprachkompetenz mehrsprachiger Kinder einschätzen
  • Elternarbeit und Elterngespräche mit mehrsprachigen Familien
  • Ideen zur sprachlichen Förderung
  • Sicherheit im Umgang mit Mehrsprachigkeit gewinnen

Seminarzeiten:

Das Seminar besteht aus zwei Terminen:

09.07.2024; von 09:00 - 12:00 Uhr & 13:00 - 16:00 Uhr
10.07.2024; von 09:00 - 12:00 Uhr & 13:00 - 16:00 Uhr

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