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Berufsrolle & Persönlichkeitsentwicklung

Konflikte klären mit Eltern, Kolleg:innen & Co.

Konflikte klären mit Eltern, Kolleg:innen & Co.

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Professioneller Umgang mit Konflikten

Marianne, die Erzieherin der Bärengruppe, hat sich für erstmal eine Woche krankgemeldet. Die Spätbetreuung von 16.30 bis 18.00 Uhr ist durch die Krankmeldung nicht abgedeckt. Die Erzieherin Monika weigert sich, in der Woche diesen Dienst zu übernehmen. Sie gerät mit zwei Kollegen in Konflikt. Diese werfen ihr unkollegiales Verhalten vor, weil sie nie bereit ist, länger zu bleiben. Sie bringen vor, dass sie jedes Mal Krankheitsvertretungen leisten müssen, nur weil sie kinderlos sind. Sie wollen nun nicht länger Rücksicht nehmen.

Kennen Sie solche Themen aus Ihrem Kita-Team?

Wo Menschen sich begegnen, da treffen ganz unterschiedliche Sichtweisen, Interessen, Visionen und Motivationen aufeinander. Dies kann zu Anspannungen führen die dann auch recht schnell zu einem Konflikt auswachsen können.

Weiterhin kennen wir aus dem Kita-Alltag Diskurse mit Eltern, beispielsweise folgende Klassiker:

  • Wiederholt zu spätes Abholen
  • Kontinuierliches Zuspätkommen zum Morgenkreis
  • Mangelnde Einsicht bei Problemen mit dem Kindern
  • Respektloses Verhalten gegenüber den Erzieher:innen

Die Liste möglicher Ursachen für Meinungsverschiedenheiten mit den Eltern in der Kita ließe sich wahrscheinlich endlos fortsetzen.

Natürlich entfacht daraus nicht gleich ein Konflikt. Doch die Konfliktpotentiale nehmen, gerade in heutigen Kontexten ständiger Veränderungen, stetig zu. Es treffen immer mehr unterschiedliche Menschen aufeinander und die Organisationsveränderungen in den Einrichtungen werden ebenfalls immer häufiger. Nicht selten werden für erlebte Veränderungen andere schuldig gemacht, selbst wenn diese nichts dazu beigetragen haben. Daher sind das Erkennen und die Bearbeitung von Konflikten im Arbeitsalltag so wichtig.

Aber ACHTUNG! Nicht jede zwischenmenschliche Spannung ist gleich ein Konflikt und bedarf einer intensiven Auseinandersetzung.

Für viele Menschen lösen Konflikte unangenehme Gefühle wie Wut, Angst oder Hilflosigkeit aus. Sie greifen dann auf bestehende Erfahrungen, auf Muster zurück, die sie im Laufe ihres Lebens erlernt haben. Wenn also Konfliktlösungskompetenzen fehlen, werden häufig Auseinandersetzungen gemieden oder auf einer Weise ausgetragen, die für ein gemeinsames Weiterkommen im Team oder mit Eltern nicht hilfreich sind. Der Wunsch nach Harmonie wird gern genutzt, um die eigenen Ängste vor dem Umgang mit Konflikten zu schmälern. Vielleicht ist es einfach leichter, auftretende Unstimmigkeiten herunterzuspielen oder zu leugnen. Konflikte werden hierbei ignoriert sowie Gefühle und Bedürfnisse dementiert. Eine Leugnung dieser kann dann wiederum zu inneren Konflikten führen, welche auch intrapersonelle Konflikte genannt werden. Meist sind es Konflikte im Zusammenhang mit schwierigen Entscheidungen die zu treffen sind. Ein Dilemma wäre eine gesteigerte Form davon. Die Person, die einen inneren Konflikt hat, kann sich weder dafür noch dagegen entscheiden, weil es Neigungen für das eine ebenso wie für das andere gibt. Es ist nicht ausgeschlossen, dass sich Menschen über Jahre mit einem inneren Konflikt belasten, ohne ihn wirklich lösen zu können. Spätfolgen können Krankheiten und seelischen Störungen sein.

Gut bearbeitete Konflikte können durchaus Positives bewirken

Der Konfliktforscher Friedrich Glasl geht davon aus, dass unter einem Konflikt im ursprünglichen Sinne, abgeleitet vom lateinischen Wort „confligere“, ein Zusammenstoßen, Aneinanderprallen oder Kämpfen zu verstehen ist.

Zu einem Konflikt kommt es in der Regel dann, wenn eine Differenz zwischen einem Wunsch, einer Erwartung, einem Anspruch und der erlebten Wirklichkeit entsteht. Diese Differenz geht häufig mit der Verletzung des Selbstwerts einher. Allerdings wird dies häufig nicht thematisiert oder häufig sogar tabuisiert. Das macht Konflikte wahrscheinlicher und ihre Lösung schwieriger.

Es entwickeln sich hierbei Störungen zwischen mindestens zwei Personen, die die gewöhnlichen Abläufe belasten. Konflikte können – wird der Grund des Zusammenstoßes bearbeitet – durchaus Positives bewirken, Veränderungen ermöglichen, neue Kräfte mobilisieren und den Zusammenhalt in Teams stärken.

Drei Arten von Konflikten

Im besten Fall trägt die Kenntnis verschiedener Konfliktarten dazu bei, ein besseres Verständnis der Situation zu erlangen und einen Konflikt von vornherein zu verhindern oder zumindest abzuschwächen.

Nicht jeder Konflikt ist gleich und hat einen ähnlichen Auslöser. Manche Konflikte treten zwischen Menschen auf, wieder andere sind als innere Konflikte zu bezeichnen. Die Dritte Art sind Konflikte von „struktureller“ Natur.

Konfliktarten

Um Konflikte effizient zu lösen, ist es hilfreich, wenn diese zunächst richtig einsortiert werden. Wichtig ist es dabei, zu erkennen, worum es in Wirklichkeit geht. Denn das vermutete Hauptproblem, welches auf den ersten Blick aufleuchtet, trifft den Kern oftmals nicht.

Konflikte zeichnen sich meist durch viele Facetten aus und es gilt genau hinzuschauen, damit nicht ein Problem bearbeitet wird, dass überhaupt keines ist. Die Unterscheidung der einzelnen Konfliktarten ist in der Praxis oft nicht so leicht. Vor allem, wenn man die unterschiedliche Ursachen hinterfragt. Die nachfolgende Tabelle zeigt auf, wie sich die unterschiedlichen Konfliktarten möglicherweise auflösen lassen könnten:

Konfliktarten 2

Wie Konflikte eskalieren und was das mir der Lösung zu tun hat?

Um zu verstehen, wie man den aufschaukelnden Prozess eines Konflikts im besten Falle verhindern kann, hilft es, wenn man sich zunächst anschaut, wie sich in der Kommunikation Konflikte noch weiter verschlimmern könnten. Beispielsweise ein kritisches Feedback, verallgemeinernde, negative Aussagen über den anderen usw.

Folgende Kommunikationsformen bieten der Eskalation eines Konfliktes einen optimalen Nährboden.

 

Wege in die Eskalation

 

Betrachten wir unser eigenes Verhalten innerhalb des Konfliktes und identifizieren wir eine oder mehrere der oben genannten destruktiven Kommunikationsformen, so befinden wir uns in der Regel bereits mitten in einer Eskalationsstufe des Konflikts. Vermeiden wir diese Formen innerhalb einer Auseinandersetzung von vorn herein, trägt das in der Regel zu einer konstruktiveren Herangehensweise bei.

Häufig können wir im Alltag ganz bewusst Konflikte vermeiden. Es geht vor allem darum, dass Konflikte überhaupt erstmal als solche auch benannt werden. Durch eine offene und transparente Kommunikation lassen sich viele Konflikte schon im Keim ersticken.

Mit der „SAG-ES“-Formel zur Lösung

Konflikten kann auch vorgebeugt werden, wenn wir mit der. „SAG-ES“-Formel arbeiten und diese konsequent beachten. Ein Konflikt löst sich demnach vor allem dann konstruktiv, wenn der Fokus auf die eigene Sichtweise gewendet wird.

Praxistipp

Die fünf Schritte der „SAG-ES“- Formel machen die eigene Sichtweise transparent und nachvollziehbar

 

S – SICHTWEISE SCHILDERN

Mir ist aufgefallen, dass …, Ich habe gesehen …,

 

A – AUSWIRKUNG ERLÄUTERN

Für mich bedeutet das …, Das hat für mich zur Folge, dass …,

 

G – GEFÜHLE BENENNEN

Mir geht es damit …, Das ärgert mich…, Mir ist es unangenehm….

 

E – ERFRAGEN, WIE ER/SIE DIE SITUATION SIEHT

Was ist deine Sicht? Wie schätzt du die Situation ein? Wie kam es dazu?

 

S – SCHLUSSFOLGERUNGEN ZIEHEN

Welche Lösung schlägst du vor? Was können wir tun?

Es werden die eigenen Sichtweisen, Wahrnehmungen, Interpretationen und Gefühle geschildert. Ich-Botschaften stehen dabei im Zentrum. Allein das Gespräch führt oft schon zu einer Entspannung der Konfliktsituation und damit zur Voraussetzung, sie aufzulösen. In einem Konflikt sind nach der „SAG-ES“-Formel fünf Schritte wichtig, die man nacheinander mit seinem Gesprächspartner klärt.

Es ist eine sehr praxisorientierte und unkomplizierte Vorgehensweise. Themen die belasten, stören oder ärgern, können ganz simpel angesprochen und dem Konfliktpartnern mitgeteilt werden.

Und wenn es uns noch so schwer fällt, sollten wir nie vergessen, was Tucholsky treffend bemerkte:

Streitende sollten wissen, dass nie einer ganz
recht hat und der andere ganz unrecht.

(Kurt Tucholsky)

 

Online-Live-Seminar: Konfliktmanagement mit Eltern, KollegInnen & Co

Professioneller Umgang mit Konflikten

Konsenserwartungen können den Lösungsprozess erschweren und unklare Strukturen verunsichern das Miteinander. Im Seminar erarbeiten Sie außerdem, wie Kritik zielführend formuliert werden kann und wie Sie sich auf schwierige Gespräche professionell vorbereiten.

Inhalte auf den Punkt gebracht:

  • Definition von Konflikten
  • Umgang mit Konflikten
  • Wie entsteht ein Konflikt?
  • Welche Konfliktarten gibt es und was sind die Ursachen?
  • Die Eskalationsstufen von Konflikten
  • Professionelle Konfliktbearbeitung
  • Beziehungs- und Kommunikationskultur
  • Grenzen und Grenzüberschreitungen
  • Moderation von Konfliktgesprächen

Seminarzeiten:

05.04.22: 09:00 - 12:00 Uhr & 13:00 - 16:00 Uhr

Direkt zum Online-Seminar

 

 

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