Berufsbildungsseminar e.V. Landau

Inspiration und Information für Erzieherinnen und Erzieher.

Berufsrolle & Persönlichkeitsentwicklung

Interkulturelle Kompetenz in der Kita

Interkulturelle Kompetenz in der Kita

Foto: istockphoto, Kalinovski

Vielfalt als Chance

„Ich habe heute mit Thabani einen Turm gebaut. Mit Aufzug und Dach. Mit Thabani kann ich am besten Türme bauen“, berichtete Mia begeistert ihrer Mutter, als diese in von der Kita abholt. „Und mit Tom habe ich mich als Zauberer verkleidet. Er hatte so eine coole Idee. Wir haben Valerie und Samir in Hasen verzaubert. Mit den beiden spiele auch so gerne. Das macht Spaß.“

Eine ganz normale Szene aus der Kita von nebenan. Die Kinder haben den Fokus dabei auf den wertvollen Eigenschafften, die jedes Kind in sich trägt. Sie sind darin noch so herrlich unbefangen. Und das ist es, was zählt. Die Kinder erleben tagtäglich so vieles miteinander. Sie teilen Emotionen und Erlebnisse, lachen miteinander, haben Spaß und tragen auch Konflikte aus. Sie sind Verbündete, entdecken Gemeinsamkeiten aber auch Unterschiede. Allerdings werden diese Unterschiedlichkeiten eher interessiert, denn wertend wahrgenommen.

Jedes Kind ist einzigartig

In der Kindertageseinrichtung treffen täglich Kinder und Eltern mit unterschiedlichen familiären Hintergründen aufeinander. Jedes Kind ist einzigartig mit seiner Kultur, seiner Sprache, seinen äußeren Merkmalen, seinen individuellen Erlebnissen.

Durch diese große Vielfalt kann es bei der Gestaltung von Projekten, des Tagesablaufs oder auch durch die gelebte Erziehungspartnerschaft immer wieder zu Schwierigkeiten für die pädagogischen Fachkräfte kommen. Der interkulturelle Ansatz bietet hierbei Erleichterung an. Statt Schwierigkeiten zu produzieren, hat er vielmehr das Potential, beim Zusammentreffen verschiedener Kulturen sogar positive gemeinsame Erlebnisse zu schaffen

Zum Begriff „Kultur“ im pädagogischen Sinne gehören nicht nur Herkunftsland, Religion oder die ethnische Gruppe. Kultur meint auch den soziokulturellen Kontext, in dem die Familie lebt. Hierzu gehören auch die Familienform, der sozioökonomische Status, der Bildungsgrad und die Umgebung, in der das Kind aufwächst. Jede Kultur besteht aus Normen, Werten, Formen des Umgangs und vor allem Traditionen. Jedes Land, jede Familie hat ihre eigene Kultur und dieser gilt es in der Kita offen zu begegnen.

Der eigene kulturelle Hintergrund beeinflusst die Erziehungsansätze
- bewusst oder unbewusst!

Die Grundlage für interkulturelles Arbeiten ist neben einer professionellen Haltung sicherlich die Selbstreflexion jeder pädagogischen Fachkraft und die Reflexion im Team. Der eigene kulturelle Hintergrund kann die Erziehungsansätze (auch unbewusst) leiten, indem selbst erworbene Werte und Erziehungsvorstellungen das Handeln beeinflussen. Daher lohnt sich ein Blick auf die eigene Kindheit. Nach der Selbstreflexion sollte im Team erörtert werden, welchen gemeinsamen Nenner man in der interkulturellen Arbeit findet. Darauf aufbauend werden weitere Ziele und Möglichkeiten gesucht, um mit den Kindern und Familien vielfältig zusammen zu arbeiten. Die professionelle Haltung zeigt sich, in dem die pädagogischen Fachkräfte eine Offenheit gegenüber kultureller Vielfalt leben, die Bereitschaft, sich in diesem Thema fortzubilden und die Vielfalt als Chance zu sehen und nicht als Problem.

Praxistipp

Erforschen Sie Ihre eigene Sozialisierung

• Wer war in meiner Kindheit meine Familie?
• Welche Werte wurden mir als Kind vermittelt? Bin ich in der Stadt oder auf dem Land
   aufgewachsen?
• Wie war die familiäre finanzielle Situation?
• Welche Regeln und Rituale gab es? Welche führe ich weiter?
• Mit welchem Erziehungsstil wurde ich aufgezogen?
• Habe ich selbst Migration erlebt? Wie ging es mir damit?
• Wie oft bin ich umgezogen?
• Inwieweit beeinflussen meine Erfahrungen mein aktuelles Erziehungsverhalten in der Kita

Bei der interkulturellen Pädagogik geht es darum, mit den Kindern und deren Herkunft bewusst in Kontakt zu treten. Jedes Kind in der Kita soll erfahren, dass es genau so richtig ist, wie es ist. Dass es selbst und seine Familie mit den eigenen Interessen, Fähigkeiten, körperlichen Merkmalen und der Kultur dazu gehören.
Es ist sehr hilfreich, wenn sich die pädagogischen Fachkräfte intensiv mit den verschiedenen Kulturen, Bräuchen, Werten und Normen auseinandersetzen:

• Wird zur Begrüßung die Hand gereicht oder nicht?
• Wird Blickkontakt gesucht oder soll er vermieden werden?
• Isst das Kind mit dem Besteck oder mit den Fingern?
• Gibt es andere Distanzzonen?
• Was bedeutet die traditionelle Kleidung?

Es gibt viele Möglichkeiten, Eltern und Kinder aus anderen Kulturkreisen sehr bewusst einzubinden und so eine gute Vertrauensbasis zu schaffen

So vieles kann Hand in Hand mit den Kindern erforscht, hinterfragt und dann gemeinsam gelebt werden. Auch traditionelle Feste zusammen mit Eltern und Kindern in der Kita zu feiern, ist eine große Bereicherung. Die Familien fühlen sich wertgeschätzt und wahrgenommen, was zu einer positiven Beziehung zwischen den Eltern und den Erzieher:innen.

Praxistipp

Arbeiten Sie schon interkulturell?
So können Sie erkennen, ob Sie schon interkulturell arbeiten:

• Eine Familienwand wurde gestaltet - alle Kinder sind in der Kita mit Fotos präsentiert.
• Gemeinsame Kochtage mit traditionellen Gerichten finden statt
• Feste verschiedener Kulturen werden gefeiert
• Es finden sich Hinweise auf die Familiensprachen aller Kinder
• Spielmaterialien, Puppen, Bücher, CDs, Bilder, Verkleidungsstücke usw. von den
    unterschiedlichsten Sprachen und Ländern sind vorhanden
• Aushänge, Elternbriefe, Infos sind mehrsprachig verfasst.
• Der Tagesablauf, Wochenrückblick usw. sind auch mit Symbolen dargestellt, sodass diese auch
   nonverbal verstanden werden können.

Fühlen sich die Eltern sich in der Kita erst einmal wohl, dann entwickeln sie automatisch mehr Vertrauen in die pädagogischen Fachkräfte und deren Arbeit. So fällt es ihnen sehr viel leichter, Ihre Kinder in deren Obhut der zu geben.

Eine Idee, um sowohl die Kinder und Eltern aktiv mit in das interkulturelle Leben der Kita miteinzubeziehen ist unter anderem die bewusste Raumgestaltung. Begrüßungssprüche in unterschiedlichen Sprachen, eine Weltkarte, auf der die Fotos der Kinder angebracht sind, Plakate von den Herkunftsländern usw. zeigen schon beim Betreten der Kita, dass alle Menschen herzlich willkommen sind.

„Niemand wird geboren, um eine andere Person wegen ihrer Hautfarbe, ihrer Herkunft oder ihrer Religion zu hassen. Menschen müssen lernen zu hassen und wenn sie lernen können zu hassen, dann kann Ihnen auch gelehrt werden zu lieben, denn Liebe empfindet das menschliche Herz viel natürlicher als ihr Gegenteil.“

Nelson Mandela

Online-Live-Seminar

Vielfalt als Chance

Interkulturelle Kompetenz in der Kita
In diesem Onlineseminar lernen Sie Handlungsmöglichkeiten kennen, um ein interkulturelles Lern- und Lebensumfeld in der Kita zu gestalten. Sie reflektieren Ihre eigenen Denkmuster und erarbeiten, wie das Miteinander von Kindern aus unterschiedlichen Kulturen gefördert werden kann.

• Was bedeutet „interkulturelle Kompetenz"?
• Interkulturelle Erziehung als pädagogisches Grundprinzip
• Schlüsselqualifikationen für den Umgang mit Interkulturalität
• Reflexion eigener Kultur- und Denkmuster
• Erziehungs- und Bildungspartnerschaft mit interkulturellen Eltern
Seminarzeiten:
08.03.2023; von 16:00 - 19:00 Uhr
29.03.2023; von 16:00 - 19:00 Uhr

 

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