Berufsbildungsseminar e.V. Landau

Inspiration und Information für Erzieherinnen und Erzieher.

Pädagogik & Psychologie

Emotionale Intelligenz bei Kindern

Emotionale Intelligenz bei Kindern

Krippen, Kitas und Schulen als Lernorte für die Emotionale Intelligenz

„Meine Hannah kann schon Lesen“ - „Mein Yusuf kennt sich jetzt schon mit Technik richtig gut aus.“ - „Aber mein Paul ist dafür besonders sportlich“.  „Das ist ja alles recht nett, was ihr da erzählt, aber meine Elif – man sieht es ihr vielleicht nicht an – aber meine Elif hat eine besonders ausgeprägte Emotionale Intelligenz!“ Bääähhm, da hat es Elifs Mutter aber allen gezeigt.

„Äh what?!?“, meldet sich Hannahs Mutter zu Wort. „Was soll DAS denn für `ne Superkraft sein? Hab ich ja noch nie gehört!“

Ein solches Duellieren um „das beste Kind“ ist in Zeiten der Wertschätzung von Diversität und Heterogenität nicht nur völlig unnötig sondern auch schädlich. Eltern die sich so verhalten, sollten in erster Linie hinterfragen, um wessen Selbstwert es hier in Wirklichkeit geht!  Aber das ist eine andere Geschichte. In diesem Artikel geht es um eine Kompetenz, eine Qualität oder eine Eigenschaft, die manche Menschen schon im Kindesalter in höherem Maße aufweisen, als andere - die Emotionale Intelligenz.

Hat Elifs Mutter mit dem Argument tatsächlich ein stärkeres Argument als alle anderen? Was verbirgt sich eigentlich hinter diesem immer häufiger verwendeten Begriff?

Was ist Emotionale Intelligenz?

Der Begriff Emotionale Intelligenz wurde erstmals Mitte der 1990er Jahre geprägt und folgt auf bereits vorangegangene Konzepte der Intelligenz- und Emotionsforschung, wie z.B. dem der „Sozialen Intelligenz“ nach Thorndike. Der Begriff „Emotionale Intelligenz“ erhielt insbesondere durch die Veröffentlichungen von Daniel Goleman eine besondere Aufmerksamkeit. Goleman polarisiert mit seiner These, dass Menschen, die beruflich erfolgreich sind, sich häufig nicht durch einen außergewöhnlich hohen IQ (Intelligenzquotient), sondern vor allem durch einen ausgeprägten EQ (Emotionaler Intelligenz-Quotient) – durch Emotionale Intelligenz auszeichnen.  Folgt man Golemans These hat die Emotionale Intelligenz tatsächlich eine besondere Bedeutung für den Lebensverlauf und sollte als mögliche Qualität von Kindern wertgeschätzt und aus Sicht der Fachkräfte auch gefördert werden.

Goleman Definition für Emotionale Intelligenz:
„die Fähigkeit, unsere eigenen Gefühle und die Anderer zu erkennen, uns selbst zu motivieren und gut umzugehen mit Emotionen in uns selbst und in unseren Beziehungen.“

 

Ebenden der Emmotionalen Intelligenz nach GolemanEbenen der Emotionalen Intelligenz

In welchen Bereichen ist Emotionale Intelligenz von Bedeutung?

Aus der Definition der Emotionalen Intelligenz heraus kann man erkennen, dass deren Entwicklung auf mehreren Ebenen von Bedeutung ist. Zum einen geht es darum, die eigenen Emotionen und Empfindungen wahrnehmen, mit ihnen umgehen  und diese regulieren zu können. Im Alltag zeigt sich dies z.B. daran, wie Kinder mit Wut und Frustration umgehen. Sind sie in der Lage in spielerischen Situationen Rückschläge auszuhalten. Die Reaktion auf das Zusammenfallen eines Turmes oder das Verlieren eines Brettspiels sagt z.B. viel über die  Frustrationstoleranz eines Kindes aus. Kann es sich danach wieder selbst motivieren, einen neuen Versuch zu starten? Oder kippt die ganze Situation in Ärger und Wut, so dass der gesamte Turm zerstört oder das Brettspiel vom Tisch geworfen wird? Ist das der Weg einer erneuten Frustration zu entgehen oder gibt es andere Wege? Bei der Entwicklung Emotionaler Intelligenz geht es darum zu lernen, solche Emotionen zu regulieren und „intelligent“ mit Emotionen umgehen zu können.

Ein weiterer bedeutender Aspekt der Emotionalen Intelligenz zeigt sich im sozialen Miteinander, der Beziehungs- und Konfliktfähigkeit der Kinder. Auch hier können spielerische Situationen ein gutes Lernfeld sein. Rollenspiele, das Nutzen von Verkleidungen etc. aber auch das Spielen mit Puppen können dazu animieren, sich in die emotionale Welt der anderen Kinder hineinzuversetzen.

Fachkräfte können Kinder unterstützen, Emotionen besser einzuordnen

Denn einige sogenannte Basisemotionen sind nach Paul Eckmann von Geburt an vorhanden und bei allen Menschen gleich. Paul Eckmann fand z.B. heraus, dass sich diese Basisemotionen auf immer gleiche Weise im Gesicht zeigen, z.B. beim Zusammenziehen der Augenbrauen bei Ärger oder dem Rümpfen der Nase bei Ekel.

]Basisemotionen nach Paul Eckmann

 

Gefühle zu erkennen und benennen zu können ist die Basis von Emotionaler Intelligenz

Dies bei anderen zu erkennen und benennen zu können ist nur ein erster Schritt.  Komplexere Emotionen einzuordnen hingegen, ist eine besondere Herausforderung, kann aber erlernt und gefördert werden. Kindern fehlen die Worte, um das auszudrücken, was sie empfinden. Dieses kann durch die Entwicklung eines Gefühlslexikons und eines Gefühlswortschatzes erlernt werden. Fachkräfte können diese Entwicklung unterstützen, indem sie z.B. emotionale Momente sprachlich begleiten und einordnen:

  • „Hast du dich darüber geärgert und hat dich das deshalb so wütend gemacht?“
  • „Wenn man traurig ist, dann weint man auch schon mal.“
  • „Das laute Geräusch hat dir vielleicht Angst gemacht?!?“.


Nicht zuletzt lernen die Kinder den Umgang mit Emotionen am Modell ihrer Eltern und Bezugspersonen. Es gilt also auch die eigenen Emotionen transparent zu machen und sprachlich zu beschreiben. Können die eigenen Gefühle wahrgenommen, eingeordnet und benannt werden, ist dies ein erster Schritt zu emotional intelligentem Handeln. Denn Gefühle auszudrücken und diese anderen vermitteln zu können, „sich mit-teilen“, ist ein Grundbedürfnis und die Voraussetzung dafür, auch die Gefühle anderer wahrnehmen und wertschätzend auf diese reagieren zu können. Gefühle haben einen Sinn – Sie dienen  als Orientierungshilfe im Leben.

Emotionale Intelligenz als Schlüsselkompetenz für das weitere Leben

So dient die bewusste Wahrnehmung von Gefühlen jedoch nicht nur den Kindern, ihre eigene Position zu etwas wahrzunehmen. Auch die Erzieherinnen und Erzieher haben durch eine bessere Gefühlswahrnehmung mehr  Orientierung dafür, welche Bedürfnisse gerade bei einem Kind vorherrschen. Ärger z.B., ist möglicherweise ein Anzeichen für das Bedürfnis nach Distanz, Traurigkeit kann dagegen als Bedürfnis nach Nähe gedeutet werden. Angst ist ein Zeichen für Unsicherheit, das Gefühl der Situation nicht gewachsen zu sein und Freude kann ein klares Zeichen von Zuneigung sein. Emotionale Intelligenz zu fördern ist demnach eine wichtige Aufgabe und nicht zuletzt Teil des Bildungs- und Erziehungsauftrages. Nach der Ansicht Golemans hängt der weitere Verlauf des Lebens besonders von dieser Fähigkeit ab.

Emotionale Intelligenz kann gefördert werden

Krippen, Kitas und Schulen sind die perfekten Lernorte für die Emotionale Intelligenz. In den Einrichtungen treffen viele Kinder aufeinander und können in unterschiedlichsten sozialen Situationen oft spielerisch Empathie und Einfühlungsvermögen lernen. Darüber hinaus  werden sie mit unterschiedlichsten emotionalen Erfahrungen konfrontiert.

Erzieherinnen und Erzieher stehen dauerhaft als Vorbilder Modell und können auch durch gezielte Übungen die Entwicklung der Emotionalen Intelligenz fördern.

Praxistipp

Anregungen zur Förderung der Emotionalen Intelligenz und dem Umgang mit Gefühlen:

  • Spielen mit Puppen oder Kuscheltieren
  • Rollenspiele und anschließende Reflexion (Wie hat sich das angefühlt?)
  • Gefühle vorspielen/darstellen und erraten lassen
  • Übungen mit Bildern z.B. aus Bilderbüchern – Was siehst du? Wie fühlt sich das Kind in der Situation? Siehst du die Tränen? Warum weint das Kind? etc.
  • Emotionskarten basteln und täglich ziehen lassen - Wie fühle ich mich heute?
    B. Farben, Bilder, etc.
    Buchtipps:
    „Heute bin ich“ von Mies van Hout
    „Das Farbenmonster“ von Anna Llenas
  • Emotionsmemory – am besten mit Fotos der Kinder selbst basteln. Immer zwei gleiche Emotionen paaren oder bei Schulkindern Emotionsbild und passendes Wort.
  • Musik spiegelt unterschiedliche Emotionen wider, in die Kinder sich hinein fühlen und diese z.B. durch passende Bewegungen und Tänze ausrücken können.
  • Filmtipp auch für Kinder:
    Disneys „Alles steht Kopf“

Wichtigste Voraussetzung seitens der pädagogischen Fachkräfte ist eine selbstverständliche  Offenheit gegenüber sämtlichen Gefühlen – auch den „negativen“. Schaffen Sie den Raum, Gefühle offen auszuleben und ohne Scham über diese zu sprechen. Grundsätzlich sind alle Gefühle okay und haben ihren Zweck.  Auch Wut und Ärger müssen ihren Raum finden, betrachten Sie diese als Hinweis auf die Bedürfnisse der Kinder. Statt „negative“ Gefühle zu tabuisieren, sollten die Kinder lernen, adäquat damit umzugehen. Das gibt den Kindern die Möglichkeit, Ihre Gefühle sozial kompatibel auszuleben.  

Wir dürfen nicht vergessen, dass die kleinen Gefühle die großen Kapitäne
unseres Lebens sind und wir ihnen folgen, ohne es zu merken.

Vincent van Gogh

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Verlass dich auf dein Gefühl!

Unterstützung bei der Entwicklung emotionaler Intelligenz

Lernen Sie verschiedene Möglichkeiten kennen, wie emotionale Intelligenz gefördert werden kann und wie die Kinder in Bezug auf Wahrnehmung von Gefühlen sensibilisiert werden können. Dies wirkt sich sowohl positiv auf die Entwicklung der Kinder als auch auf Ihre Arbeit als Fachkraft aus.

Inhalte:

  • Emotionale Intelligenz: Begriffsklärung nach Golemann, Salovey/Mayer
  • Emotionale Entwicklung
  • Funktion und Sinn von (Basis)Emotionen
  • Unterschiede in der Wahrnehmung von Emotionen
  • Eigene Reaktionen auf Emotionen erkennen
  • Wie lässt sich emotionale Intelligenz testen?
  • Möglichkeiten zur Förderung emotionaler Intelligenz kennenlernen

Zu den Seminarstandorten

02.05. - 03.05.2023 Pforzheim-Hohenwart

10.07. - 11.07.2023 Wiesbaden-Naurod

04.10. - 05.10.2023 Trier

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