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Eingewöhnung U3

Eingewöhnung U3

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Erzieher*innen zwischen Stress und wertvoller Beziehungsarbeit

Ein fast normaler Montag in der Kita beginnt. Einziger Unterschied. Das neue KiTa-Jahr beginnt und heute ist die erste Eingewöhnungsphase. Franziska hat gemischte Gefühle und ihr gehen zu Beginn der Frühschicht viele Gedanken durch den Kopf:

„Gerade erst haben wir die Großen in die Schule verabschiedet und die internen Wechsel sind über die Bühne. Jetzt heißt es noch schnell den letzten Sand aus den personalisierten Wickelschubladen und den Garderobenfächern zu wischen und auf ein Neues. Durchatmen? Fehlanzeige! Oft bleibt dafür keine Zeit, denn die ‚Windelflitzer‘ stehen vor der Tür und die Eltern sind natürlich auch dabei. Alles muss jetzt gut durchgeplant sein. Morgens kommt Martha, danach gleich Leo und dann muss der Rest der Rasselbande schon fürs Mittagessen vorbereitet werden.

Dabei den Gesamtüberblick nicht zu verlieren, eine Bindung zum neuen Bezugskind aufzubauen und natürlich die Eltern mit ihren Ängsten und Sorgen gut abzuholen, das ist schon eine Herausausforderung!“

Franziska ist als Erzieherin im U-3-Bereich tätig. Sie liebt ihren Job, manchmal hasst sie ihn aber auch. Sie kann sich nicht so recht entscheiden, ob sie sich auf diese herausfordernde Zeit freuen oder ob sie sie besorgt sein soll. Es hängt viel an ihr, denn der Verlauf der Eingewöhnung ist so wichtig für die Kinder. Dieser Verantwortung ist Franziska sich sehr bewusst.

„Moment, wie war das noch gleich? Erst Martha, dann Leo, ja genau - krieg ich hin“, denkt sich Franziska am Ende. „Hilft ja nichts, denn die Kleinen warten nicht, bis ich mir klar über meine Gefühle bin“

Innere und äußere Stressoren beeinflussen die Eingewöhnung

So wie Franziska geht es vielleicht auch anderen pädagogischen Fachkräften in der Krippe.
Es wäre zumindest kein Wunder, denn es kommen schon einige innere und äußere Stressoren bei den Erzieherinnen und Erziehern zusammen.

Zuweilen stehen sich unterschiedliche Interessen und auch Gefühlslagen verschiedener Parteien gegenüber, die es in Einklang zu bringen gilt. Ein Spagat, der sehr viel Fingerspitzengefühl erfordert und die eine oder andere Fachkraft durchaus manchmal an ihre Grenzen bringt.

Jedes Kind ist anders und besonders, darüber sind sich Eltern und Fachkräfte zumeist einig. Auch gerade deshalb kann es bei der Eingewöhnung schnell mal zu herausfordernden Situationen kommen. Oft haben die Mutter oder der Vater nicht ausreichend Zeit eingeplant, um dem Eingewöhnungskonzept gerecht zu werden. Auch fehlt es zuweilen an der Einsicht oder einfach am Wissen, wofür das 3 bis 6-wöchige Eingewöhnungsprozedere eigentlich gut ist.

Gerade Eltern mit dem ersten Kind sind oft noch unsicher und stellen sich möglicherweise folgende Fragen:
Fühlt sich mein Kind alleine gelassen? hat es Angst? Kommt es ohne mich klar? Hat es mich dann noch lieb? Vermisst es mich überhaupt? Wird gut behandelt werden? Wird es am Ende Betreuerin mehr lieben als mich?

Aber auch die Erzieher*innen fragen sich:
Werdet ihr mir vertrauen und mich akzeptieren? Werdet ihr offen für Gespräche sein und wird auch Raum für kritische Dinge sein? Werden die Eltern zufrieden mit mir sein?

Nicht zuletzt plagen natürlich auch die Kinder so manche Unsicherheiten:
Werden mich Mama und Papa hier alleine lassen? Wird mich die Erzieherin mögen? Darf ich wieder mit heim, wenn ich will? Muss ich jetzt für immer hier bleiben? Finde ich hier Freunde?

Reden ist Gold!

„Wir haben im Elterngespräch alles genau erklärt und dann gab es noch einen Elternabend dazu“, bemängeln so manche Erzieher*innen. Zu Recht, allerdings gilt zu berücksichtigen, dass die Kindertagesstätte, bzw. die Krippe für viele Eltern nur einer von vielen Schauplätzen ist, auf denen Sie agieren. Eltern sind keine Profis und vom Alltag in den Einrichtungen haben sie oft nur ein unvollständiges Bild. Ja, vielleicht hören Sie manchmal nicht so gut zu und sie vergessen auch einiges wieder, was Sie als Fachkraft lang und breit erklärt hatten. Jetzt gilt es, professionell zu kommunizieren und den einen oder anderen Zusammenhang oder Sachverhalt notfalls mehrfach zu erläutern. „Wofür ist es eigentlich so wichtig, dass alle Kinder rechtzeitig im Morgenkreis sind“, oder „Wozu genau braucht ein Kind eigentlich eine so lange Eingewöhnungsphase?“

Es ist ein wenig wie in der Schule. Für den Lehrer sind die Dinge immer alle völlig klar. Und die Schüler…denen hat man ja alles genau erklärt und dann wurde noch gesagt: „Gibt es dazu noch Fragen?“ Also müssten die Schüler ja alles können und permanent super Noten schreiben. Dass dem nicht so ist, liegt auf der Hand. Diese kleine Metapher ist natürlich etwas weit hergeholt, doch sie steht stellvertretend dafür, dass der Mensch bevorzugt und gerne durch Wiederholung lernt. Eine kleine Handreichung zum Ablauf der Eingewöhnung ist im Übrigen durchaus hilfreich.

Die schöne Seite der Eingewöhnung

Der Beruf der Erzieherin und des Erziehers ist für viele eher Berufung als Beruf. Nicht selten hört man den Satz: „Ich hab´ den schönsten Beruf der Welt“ oder: „Ich habe meinen Traumberuf gefunden.“ Auch, wenn sie nicht mit allen Rahmenbedingung einverstanden sind, so haben sie doch ein hohes Sinnerleben in ihrem Wirken. Das ist gut so, denn wer seiner Arbeit einen hohen Wert beimisst, ist automatisch erfüllter und glücklicher. Nicht zu vergessen, dass auch die Kinder von dieser positiven Haltung profitieren, denn sie sind ja bekanntlich wahre Seismographen für menschliche Stimmungen. Gerade wer sich als Fachkraft wieder einmal besonders gestresst fühlt, sollte sich öfter die schönen Seiten vor Augen halten.

Natürlich ist es wichtig, immer eine gewisse professionelle Distanz zu wahren, doch es ist ja nicht verboten die automatisch entstehende Nähe und Bindung mit dem Bezugskind auch zu genießen. Oder ist es nicht faszinierend, wie diese kleinen Menschen bereits die unterschiedlichsten Charaktere ausgebildet haben? Wie immer wieder neue Dynamiken in den verschiedenen neuen Gruppierungen zu beobachten sind? Und ist es nicht einfach schön, dass wir neben den Eingewöhnungszeiten endlich mal richtig Zeit für die „Großen“ haben, weil insgesamt weniger Kinder da sind?

3 Tipps für Erzieher*innen bei der Eingewöhnung

  1. Entspannen Sie sich
    Denken sie immer daran: Sie wissen was Sie tun, denn sie sind Profi! Sie kennen den Eingewöhnungsprozess besser als die Eltern, haben Erfahrung und Wissen dazu. Stehen Sie als Fachkraft dahinter, so können Sie klar kommunizieren und ganz entspannt ins Gespräch gehen. Schon alleine im Sinne des Kindes sollen Sie sich in der Eingewöhnungsphase darin üben, gelassen zu bleiben, denn Ihre Stimmung überträgt sich in der Regel unmittelbar auf Ihren Schützling.
  2. Zeigen Sie sich mit Ihrer Persönlichkeit
    Es sagt sich leicht, doch in den meisten Fällen sind die Eltern nicht darauf aus, Ihnen Schwierigkeiten zu bereiten und haben auch keine überhöhten Forderungen. Sie wollen vielmehr eine natürliche Person erleben, der sie ihr Kind anvertrauen können. Versuchen Sie daher nicht, sich zu verstellen, denn das wirkt eher hölzern. Zeigen Sie ruhig Ihre Persönlichkeit und Ihre Leidenschaft für das was Sie tun. Das baut mehr Vertrauen auf, als der beste Leitfaden.
  3. Trauen Sie sich, andere um Hilfe zu bitten
    Es wird immer mal wieder etwas klemmen oder nicht rund laufen in einem Eingewöhnungsprozess. Wenn Sie unsicher sind, trauen Sie sich,Ihre Kolleg*innen oder auch Ihre Leitung um Unterstützung und Austausch zu bitten. Das ist kein Zeichen von Schwäche, im Gegenteil. Immerhin geht es um das, worum sich unser ganzes Wirken dreht - das Wohl des Kindes!

Seminar: Windelflitzer erobern die Krippe

Bewegung ist (fast) alles

Die Inhalte:

  • Die motorische Entwicklung des Kindes
  • Die Bedeutung von Bewegung für die Entwicklung
  • Entwicklung in der heutigen Umwelt
  • Hinweise zur Durchführung von Praxisangeboten
  • Die Blume der Bewegungsangebote (Gruppenraum, Bewegungsraum, Flur, Umfeld, Außengelände)
  • Pfiffige Spiele für Zwischendurch
  • Spannende Erlebnis- und Bewegungslandschaften (Aufbau und Stundenbeispiele)
  • Spiele zum Entspannen und als Ausklang

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