Berufsbildungsseminar e.V. Landau

Inspiration und Information für Erzieherinnen und Erzieher.

Pädagogik & Psychologie

BNE – Bildung für nachhaltige Entwicklung

BNE – Bildung für nachhaltige Entwicklung

Alltagstaugliche Umsetzungsstrategien statt ständigem Reden über das Thema

„Lasst uns doch für Ostern dieses Jahr Osternester basteln“, schlägt Miriam vor. „Gute Idee“, erwidert Julia, „beim Ein-Euro-Laden gibt es gerade so schöne bunte Körbe und Ostergras im Angebot.“ Sabine meint: „Ich habe beim Kita-Versand solche Sets gesehen, da ist alles dabei. Da können die Kinder Körbe bemalen.“ Verena wirft ein: „Aber das ist doch alles aus Plastik und mit viel Chemie. Und die Kinder dürfen gar nicht richtig kreativ sein. Wollen wir nicht lieber etwas selber machen mit den Kindern. Wir könnten doch auch Naturmaterialien verwenden oder das, was wir schon haben. Altpapier als Ostergras und die Körbe weben wir aus den Wollresten. Das wäre nachhaltiger.“

Was denn nun? Nachhaltig oder schön bunt? Modern oder altbacken? Einfach oder aufwändig? Dass es diese Widersprüche gar nicht gibt, wenn man nachhaltig handelt, ist vielen gar nicht bewusst. Im täglichen Miteinander in der Kita ist es jedoch wichtig, stets verantwortungsbewusst zu handeln. Das heißt, auch in Sachen Nachhaltigkeit müssen pädagogische Fach- und Ergänzungskräfte sich informieren und  Vorbild sein. Denn Bildung für nachhaltige Entwicklung, kurz BNE, steht in allen Bildungsplänen und ist als Auftrag fest verankert.

BNE als Haltung

Mit den 17 Zielen hat die UN festgelegt, in welchen Bereichen Nachhaltigkeit eine wichtige Rolle spielt und umgesetzt werden sollte. Neben dem Umweltschutz, Ressourcen sparen und einem naturbewussten Leben sind hier auch soziale und finanzielle Chancengleichheit sowie die Bildung ganz allgemein aufgeführt. Als Erzieher:in oder Kinderpfleger:in müssen Sie sich damit auseinandersetzen und verstehen, was Sie in Ihrem Kita-Alltag Kindern mitgeben können. Ihre Aufgabe ist es, Nachhaltigkeit vorzuleben und zu lehren. Das funktioniert aber nur, wenn Sie selbst wissen, um was es geht. Sie sollen verinnerlichen, wie BNE funktioniert und sich dafür im besten Falle begeistern, zumindest aber deren Notwendigkeit respektieren.

Gemeinsam für EINE Zukunft

Die Kinder, die Sie aktuell begleiten sollen eine gesunde und lebenswerte Zukunft haben. Dafür braucht es Erwachsene, die dem Klimawandel entgegenwirken. Als pädagogische Fachkräfte haben Sie die Möglichkeit, aktiv zu sein. Sie können als Multiplikator:innen Kinder, Teammitglieder aber auch Eltern weiterbilden und motivieren. Je mehr Menschen aktiv werden, desto eher reagieren im besten Falle auch Industrien und die Regierung. Eine positive Einstellung zur Natur und ein wertschätzender Umgang mit Ressourcen und Wertstoffen ist ein guter Anfang. Finden Sie alltagstaugliche Umsetzungsstrategien mit den Kindern, ohne ständig über das Thema reden zu müssen. Leben Sie vor, wie klimabewusstes Handeln funktioniert und stecken Sie andere mit Ihrer Haltung an. Das geht ganz einfach: regen Sie an mit Altpapier zu basteln, schalten Sie das Licht aus, wenn Sie einen Raum verlassen und drehen Sie das Wasser ab, während die Kinder die Zähne putzen. Schon bald fallen Ihnen und den Kindern immer mehr Möglichkeiten ein, etwas zu verändern.

Wertvolles bewahren – Müll sparen

Die Erde wird durch uns Menschen mit Müll überschüttet. Um das zu beenden, also weniger Müll zu verursachen, müssen wir unser Konsumverhalten überdenken. Dafür ist es nötig, zu erkennen, was wir konsumieren. Das können auch die Kinder. Sie sollen sich selbst beobachten und werden so sensibilisiert, wie viel Müll sie täglich verursachen. Dazu gehören alle Bereiche des täglichen Lebens, von Lebensmitteln über Spielsachen und Kleidung bis zu Serviceleistungen, wie die Autofahrt zur Kita. Die Auseinandersetzung mit Lieferketten und Produktionswegen hilft, mehr Wertschätzung für Güter und Wertstoffe zu entwickeln. Spielerisch umgesetzt macht es allen spaß, Wertstoffe zu entdecken und vielfältig, mehrfach zu nutzen, was schon da ist, statt sofort neues zu kaufen. Auch das Beobachten, wie viel Verpackungsmüll anfällt, bringt schnell einen Wandel in der Kita, wenn die Kinder selbst lernen, dass es auch anders geht.

 

Praxistipp

Um als Vorbild in der Kita zu agieren, müssen Sie bei sich selbst anfangen. Überzeugen Sie sich selbst also zuerst ganz persönlich. Beobachten Sie eine Woche lang Ihr eigenes Konsumverhalten und den bei Ihnen anfallenden Müll. Heben Sie die Verpackungen, z.B. im „Gelben Sack“  dieser Woche auf, um die Menge zu sehen. Was kaufe ich?

  • Warum kaufe ich es?
  • Brauche ich es?
  • Was nutze ich häufig oder gar nicht?
  • Welche Verpackungen fallen als Müll an?
  • Welche Arten von Müll fallen in meinem Haushalt an?

Ziehen Sie am Ende der Woche ein Resümee, wie viel Verpackungsmüll entstanden ist

Sehen Sie Sontag Abend in den Kühlschrank und Vorratsschrank, und schauen, was übrig geblieben ist:Wie viele Lebensmittel haben Sie wirklich konsumiert

  • Ist von den Einkäufen auch etwas im Müll gelandet?
  • Wie viel Kleidung oder Kosmetika haben Sie gekauft?
  • Was davon haben Sie in der Woche wirklich genutzt?

Probieren Sie aus, ob Sie in der nächsten Woche etwas weniger Verpackungsmüll produzieren können.

Tipps:

  • Käse am Stück statt abgepackt
  • festes Shampoo oder festes Duschgel in Pappschachteln statt flüssige Produkte in Kunststoffflaschen Wasser aus der Leitung trinken oder vorher in einem Sprudler mit Kohlensäure versetzten statt Flaschen nach Hause schleppen
  • Taschentücher aus Recyclingpapier in Schachteln (mit dem Blauen Engel-Siegel) statt in Plastik verpackte Kleinpackungen
  • Milch in Pfandflaschen
  • Wenigstens Sontags zum Bäcker LAUFEN statt fahren

Kaufen, Essen und wegwerfen? – Konsum, Ernährung und Umwelt

Unsere Ernährung spielt eine sehr große Rolle beim Klimawandel. Denn es wird immer noch viel zu viel Fleisch gegessen. Gemüse und Brot werden täglich weggeworfen, nicht nur im Haushalt sondern auch direkt nach der Produktion. Schädliche Insektizide, Antibiotika und vieles andere tragen dazu bei, unsere Umwelt zu belasten – und schließlich uns alle.

Kinder essen meist das, was ihnen serviert wird. Daher ist es besonders wichtig, ihnen zu zeigen, was da auf dem Teller landet. Bauen Sie mit den Kindern Gemüse an, um den gesamten Prozess vom Samenkorn bis zu Ernte zu erleben. Das hilft dabei, Lebensmittel zu wertschätzen. Die Kinder können dabei aber auch den Unterschied zwischen Eigenanbau, ganz biologisch, und günstigem Supermarktgemüse kennenlernen. Dass gesundes Essen schmeckt und man bald fast gar keine Süßigkeiten mehr braucht, ist ein positiver Nebeneffekt solcher Projekte. Interessant ist es, gemeinsam zu erkunden, woher eigentlich die Lebensmittel kommen. Und wie kommt so eine Scheibe Wurst in mein Pausenbrot?

Lassen Sie die Kinder so viel wie möglich erforschen und erleben, so verstehen sie, dass Lebensmittel gar nicht selbstverständlich und gesunde Lebensmittel sogar ein Privileg sind.

Und wenn wir alle uns noch lange gesund ernähren möchten, brauchen wir einen aktiven Umwelt- und Klimaschutz. Das hört sich gut an, aber wir in Deutschland sind doch nur ein kleiner Teil der Weltbevölkerung. Und außerdem ist es in vielen anderen Ländern deutlich schlimmer mit der Umwelt, dem Müll und der Luftverschmutzung, oder? Was sollen wir paar Deutschen denn da ausrichten? Das sind die liebsten Fragen von Menschen, die es gerne bequem haben und sich nicht verändern wollen. Aber ohne Veränderung geht es nicht.

Es braucht einen Anfang und einzelne, die etwas bewegen wollen. Nur so kann sich überhaupt etwas verändern. Nur wenn ein Tropen ins Wasser fällt, kann daraus eine Welle werden. Wir alle sind verantwortlich dafür, wohin die Reise der Menschheit und des Planeten geht – jeder einzelne. Fangen wir gemeinsam mit den Kindern damit an!

„Es ist wichtiger, etwas im Kleinen zu tun, als im Großen darüber zu reden.“

Willy Brandt

Online-Live-Seminar

BNE – Bildung für nachhaltige Entwicklung

Praktische Umsetzungsideen für die Kita

 

Im Seminar suchen wir gemeinsam nach den eigenen Handlungsmöglichkeiten und finden Ansätze, um mit kleinen Schritten zu beginnen. Auch die eigene Haltung zum Thema spielt dabei eine Rolle.

 

Inhalte:

  • BNE in der Kita – warum, wozu und wie?
  • Wertvoll oder Müll? Der Umgang mit Wertstoffen aus der
    Gelben Tonne und dem Altpapiermüll.
  • Kaufen, essen und wegwerfen? – Konsum, Ernährung und Umwelt.

Seminarzeiten:

Das Seminar besteht aus drei Terminen:

05.03.2024; von 09:00 - 12:00 Uhr
12.03.2024; von 09:00 - 12:00 Uhr
19.03.2024; von 09:00 - 12:00 Uhr

Ausführliche Seminarbeschreibung ansehen

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